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15.06.2018

Herzberger Gespräch im Juni

Arbeiten der Kunsttherapie des BHZ bildeten die Umrahmung Arbeiten der Kunsttherapie des BHZ bildeten die Umrahmung

Die 4. Dimension: Emotionale Entwicklung in der medizinischen Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung

In seiner Begrüßung zum „Herzberger Gespräch“ mit dem Thema Medizin bei Menschen mit geistiger Behinderung erinnerte Prof. Dr. Albert Diefenbacher, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am KEH, an die Gründung der psychiatrischen Anstalt von Herzberge vor 125 Jahren. Dann führte er hin zur Arbeit des 2000 eröffneten Berliner Behandlungszentrums für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung (BHZ) am KEH, aus dessen Arbeit mit diesem Patientenkreis eine Reihe von Themen sowie national und international beachtete Beiträge zu psychischen Erkrankungen im Zusammenhang mit somatischen Problemen bei Menschen mit geistiger Behinderung entstanden sind.   

 

Blick in den gefüllten Festsaal Blick in den gefüllten Festsaal
Priv.-Doz. Dr. med. Tanja Sappok, Leiterin des BHZ, führte in den emotionalen Entwicklungsansatz und dessen Bedeutung für die psychische Gesundheit ein. Auf Basis des „Schemas der emotionalen Entwicklung“ (SEO), das von Anton Došen entwickelt worden war und emotionale Entwicklungsstufen des Kindes bis zum Erwachsenwerden vorstellt, die auf den emotionalen Status geistig behinderter Menschen vergleichend angewendet werden können, wurde die Bewertung des emotionalen Entwicklungsstands als Diagnoseinstrument erarbeitet. Das biopsychosoziale Krankheitsmodell ist durch die Beachtung der emotionalen Entwicklung um eine vierte Dimension erweitert worden. Ein Netzwerk von Fachleuten entwickelte aus diesen Erkenntnissen die „Skala der Emotionalen Entwicklung – Diagnostik“ (SEE-D) die als wirksames Instrument für Behandlung und Umgang mit dem genannten Patientenkreis nutzbar gemacht werden konnte.

 

Prof. Diefenbacher (r.) mit den Referentinnen und dem Referenten Moderator und Referent/-innen
Dipl. psych. Jörn Dieterich, Psychotherapeut und Geschäftsführer eines Medizinischen Versorgungszentrums in Uelzen, stellte im Anschluss einen in die Praxis überführten Anamnesebogen vor, der die vorhandenen Testverfahren miteinander verbindet und auch hier den emotionalen Entwicklungsstand mit berücksichtigt. Menschen mit geistiger Behinderung entwickeln sich langsamer und nach anderen Gesetzmäßigkeiten. Sein Fazit: „Das hat einen enormen Nutzen für die tägliche praktische Arbeit mit den betroffenen Menschen.“ Denn vielfach stellen sich dadurch „Verhaltensauffälligkeiten“ als völlig normale Äußerungen heraus, die dem emotionalen Entwicklungsstand des Betroffenen entsprechen – und es kann entsprechend damit umgegangen werden.

 

Fragen aus dem Publikum Fragen aus dem Publikum
Abschließend berichtete Dipl. päd. Sabine Zepperitz über Ihre Erfahrungen bei der Implementierung des Entwicklungsansatzes in der Berliner Behindertenhilfe. Da sich verstärkt die Frage stellte, wie die Erkenntnisse zu den emotionalen Entwicklungsständen in wirksame Handlungsweisen übersetzt werden könnten, wurde sie als Pädagogin feste Mitarbeiterin im BHZ. Die gewonnenen Erfahrungen gipfelten in dem 2016 erschienen Buch „Das Alter der Gefühle“ (Sappok/Zepperitz). Mit einfachen Handlungsempfehlungen lassen sich damit erkennbare Wirkungen erzielen. Zahlreiche Weiterbildungen in stationären und ambulanten Einrichtungen sowie im Bezirk wurden bereits abgehalten und werden angeboten. Gemeinsam mit Antea Bethel entstand eine modulare Weiterbildung, die ab September 2018 im KEH angeboten wird.
Diskussion und Erfahrungsaustausch rundeten den gelungenen Nachmittag ab.

 

Das nächste Gespräch:
Herzberger Gespräch zur Gefäßmedizin

Mittwoch, 17. Oktober 2018

15.30 bis ca. 17.30 Uhr
KEH, Haus 22, Festsaal

Im »Herzberger Gespräch« im Oktober werden aktuelle Probleme und Verfahren der Gefäßmedizin im Mittelpunkt stehen.