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03.09.2019

Bio-psycho-soziales Störungsmodell

Das erweiterte bio-psycho-soziale Störungsmodell

Das bio-psycho-soziale Krankheitsmodell wird um die zeitliche Dimension (Sappok & Diefenbacher 2017), den emotionalen Entwicklungsansatz (Sappok & Zepperitz 2019), erweitert.

 

Das erweiterte bio-psycho-soziale Krankheitsmodell; zum Vergrößern bitte anklicken Das erweiterte bio-psycho-soziale Krankheitsmodell

Die Arbeit basiert auf der sorgfältigen Anamnese- und psychischen wie körperlichen Befunderhebung. Im Sinne des ganzheitlichen Behandlungsansatzes ist dazu eine vertrauensvolle, wertschätzende, konstruktive Zusammenarbeit mit den zentralen Bezugspersonen und den verschiedenen Lebenswelten (Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Familie) der Patientinnen und Patienten erforderlich. Die somatische Ursachenabklärung ist insbesondere bei denen wichtig, die Schwierigkeiten haben, selbst über sich und die Vorstellungsgründe in der Klinik zu berichten.
Mit Hilfe einer Verhaltensanalyse können gezeigte Verhaltensweisen systematisch erfasst und ausgewertet werden. Standardisierte, spezifisch für Menschen mit intellektueller Entwicklungsstörung entwickelte oder angepasste Untersuchungsinstrumente, ermöglichen eine qualitativ hochwertige Abklärung einzelner Krankheitsbilder wie z. B. Autismus, Demenz oder Persönlichkeitsstörungen.
Die emotionale Entwicklungsdiagnostik gibt Einblicke in das innere Erleben des Patienten (SEED; Sappok et al. Hogrefe Verlag 2018). Basierend auf dem emotionalen und kognitiven Entwicklungsstand werden gezeigte Verhaltensweisen verstanden und international gebräuchliche Diagnosesysteme anwendbar. Auf der Grundlage der erhobenen Befunde wird gemeinsam mit dem Patienten bzw. der Patientin und dem Helfersystem ein bedarfsgerechter, zielorientierter Gesamtbehandlungsplan erarbeitet, der die unterschiedlichen Störungsebenen (bio-psycho-sozio-emotional) einbezieht.

Dabei werden die Patientinnen und Patienten als kompetente, in ihre Umgebung eng verflochtene Personen betrachtet und über die Diagnose und Therapieoptionen in Leichter Sprache aufgeklärt. Die Person ist mitverantwortlich, einzelne Aspekte des Behandlungsplans umzusetzen und trägt maßgeblich durch die aktive Mitarbeit zum Therapieerfolg bei. Insbesondere bei Personen mit einem niedrigen emotionalen Referenzalter ist die enge und regelmäßige Zusammenarbeit mit den ambulanten Bezugssystemen unabdingbar, um einen nachhaltigen Therapieerfolg zu sichern.