Notaufnahme: 030 5472 30 02

 

Herzbergstraße 79, 10365 Berlin, Tel.: 030 5472-0, Fax: 030 5472-2000

01.02.2013

Arterioarterielle Interponate

Subklaviales arterioarterielles Interponat Subklaviales arterioarterielles Interponat

Interposition einer schlingenförmigen Prothese in die infraklavikuläre A. axillaris oder A. femoralis communis.

Indikationen
Die Indikation zur Anlage eines arterioarteriellen Interponates für die Hämodialyse ist extrem selten gegeben. Es bestehen 4 Indikationen:

1. Alle 6 großen tiefen Venen (Vv. femorales, jugulares und subclaviae) sind verschlossen oder wegen septischer Komplikationen nicht geeignet.
2. Es ist nur noch eine der 6 großen tiefen Venen offen. Diese muss als Reservezugang für den Notfall geschont werden.
3. Therapieresistente kardiale Dekompensation. Eine Erhöhung des Herzminutenvolumens durch einen av-Shunt würde die Herzinsuffizienz weiter verschlechtern.
4. Periphere Minderdurchblutung der Extremität bereits ohne av-Shunt an der Extremität oder auch nach Proximalisierung eines av-Shuntes mit arterieller Speisung von der infraklavikulären A. axillaris.

Physiologie der arterioarteriellen Interponate

Um einen ausreichenden Fluss für eine effektive Dialyse zu gewährleisten, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:
• Integration des Interponates immer in den Verlauf der Arterie in Form einer Schlinge, nie als Bypass zur offenen nativen Arterie, da aufgrund der Flussaufteilung der Fluss in der Prothese relativ gering wäre. Dadurch wäre die Dialyse ineffektiv und die Thrombosegefahr hoch.
• Ausschließlich Interposition in große Arterien zur Gewährleistung eines möglichst hohen Flusses. Damit stehen nur die infraklavikuläre A. axillaris und die A. femoralis communis zur Verfügung.
Der physiologische Vorteil der arterioarteriellen Interponate besteht in der Nichtbeeinflussung des Herzminutenvolumens und der peripheren Durchblutung.
Dem Dialysat sollten allerdings nur solche Medikamente hinzugefügt werden, die für eine intraarterielle Injektion zugelassen sind.
Auf Grund der deutlich geringeren Flussrate (subklavial ca. 150 - 250 ml/min.) gegenüber einem av-Shunt ist eine längere Dialysedauer (oft 5 - 6 Stunden) notwendig. Dialysekapillaren mit großer Oberfläche erhöhen die Effektivität der Dialyse.

 

Situs der Anastomosen eines subklavialen arterioarteriellen Interponates Situs der Anastomosen eines subklavialen arterioarteriellen Interponates

Auf Grund des arteriellen Druckes im Interponat ist die Gefahr von Nachblutungen und von Aneurysmen im Bereich häufiger Punktionen erhöht. Besondere Aufmerksamkeit ist deshalb auf die Verteilung der Punktionsstellen und ein ausreichend langes Abdrücken zu legen.
Auf Grund der Seltenheit arterioarterieller Interponate müssen das Dialysepersonal und der Patient über die Besonderheiten aufgeklärt werden. So sollten Patient und Dialysepersonal informiert sein, das bei arterioarteriellen Interponaten nie ein Schwirren, sondern nur eine Pulsation zu fühlen ist. Patient und Dialysearzt erhalten ein Informationsblatt über die Besonderheiten dieses Gefäßzuganges. Die Erstpunktion empfehlen wir wenn möglich erst zwei Wochen postoperativ.

Literatur

  1. Scholz H, Zanow J. Arterio-arterial interposition as access for hemodialysis. In: Henry ML (ed.) Vascular access for hemodialysis VI. Gore & Associates, Precept Press, 1999, 255-62
  2. Scholz H, Petzold K, Petzold M, Zanow J, Miller H, Krüger U. Das arterioarterielle Interponat für die Hämodialyse.Gefässchirurgie. 2007; 12:167-71
  3. Settmacher U, Heise M, H. Scholz. Das arterioarterielle Interponat als Dialysezugang. Gefässchirurgie. 1998; 3:11-3
  4. Zanow J, Kruger U, Petzold M, Petzold K, Miller H, Scholz H. Arterioarterial prosthetic loop: a new approach for hemodialysis access. J Vasc Surg. 2005; 41:1007-12
  5. Scholz H. AV-Shuntchirurgie Der adaequate Zugang für die Haemodialyse. Springer, Heidelberg, 2012

zurück zur Übersicht: Weitere Themen

 

 

COVID-19: Häufige Fragen zum Klinikaufenthalt

Hinweis

Auf dieser Seite verwenden wir zur besseren Lesbarkeit das generische Maskulin. Damit meinen wir stets sämtliche Geschlechter.