Geschichte
Das Kesselhaus ist Teil des unter Denkmalschutz stehenden Gesamtensembles des Ev. Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge (KEH). Es wurde 1889 bis 1893 vom Stadtbaurat Hermann Blankenstein zusammen mit der gesamten Krankenhausanlage als schlichte Variante spätklassizistischer Backsteinarchitektur erbaut.
In der Mitte des Gebäudes lag der eingeschossige Kesselraum, in dem sich bis Ende der 40er Jahre zehn Doppelflammrohrkessel befanden. Nach dem zweiten Weltkrieg begannen im Kesselraum umfangreiche Sanierungsarbeiten. Aus der zerstörten Neuen Reichskanzlei wurden vier Schrägrohrwasserkessel demontiert und nach Umbau in das Kesselhaus bis 1951 eingebaut. Das gesamte Kesselhaus wurde dazu um etwa vier Meter aufgestockt. 1961 sind zwei neue Kleinwasserrohrkessel als leistungsfähigere Dampferzeuger in Betrieb genommen worden. 1986 wurde das Krankenhaus an das Fernwärmenetz angeschlossen und damit dem Kesselhaus seine eigentliche Nutzung entzogen.
- Anfang 1999 gründeten einige Mitarbeiter des KEH eine Initiativgruppe mit dem Ziel, das Kesselhaus zu erhalten und umzunutzen.
- Im Mai 2000 wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein BAUFACHFRAU Berlin e.V. die Sanierung gestartet. Dazu gehörten Bestandsaufnahmen des Gebäudes und der Technik, die Reinigung und Konservierung der Kessel sowie die Erarbeitung des Nutzungskonzeptes. Im Rahmen mehrerer Vergabe-ABM wurde das Kesselhaus saniert und im August 2003 fertiggestellt.
- Im März 2001 wurde auf Initiative von Herrn Schütz der Förderverein Museum Kesselhaus Herzberge e.V. gegründet. Sanierung, Umnutzung und Bauherrenfunktion sowie Erhalt, das Einwerben von Spenden und Öffentlichkeitsarbeit sind seine wesentlichen Aufgaben.
- Am 13. September 2003, am "Tag des offenen Denkmals", konnte der Förderverein das Museum feierlich eröffnen.
Technisches Denkmal
Im Kesselhaus befinden sich drei Generationen von Dampfkesseln.
- Die 1. Generation ist ein Doppelflammrohrkessel von 1892 der Firma Borsig Berlin. Über 50 Jahre standen 10 Kessel dieser Bauart im Kesselhaus. Ein Doppelflammrohrkessel blieb erhalten und diente später der Aufbereitung des Kesselspeisewassers für die 2. Dampfkesselgeneration. Heute kann man ihn im Obergeschoss des Kesselraumes besichtigen.
- Die 2. Generation sind drei Schrägrohrwasserkessel Baujahr 1938 der Firma Borsig Berlin. Die ursprünglichen vier Kessel wurden nach Demontage und Umbau aus der Neuen Reichskanzlei in den jetzt zweistöckigen Kesselraum eingebaut und 1951 in Betrieb genommen.
- Nachdem sich die Borsig-Kessel aufgrund der langen Betriebsdauer in einem schlechten Zustand befanden, baute man die 3. Kesselgeneration ein. Das sind zwei Kleinwasserrohrkessel Baujahr 1960 der Firma VEB Vorwärmer- und Kesselbau Werk Köthen. Diese beiden Kessel übernahmen dann die gesamte Wärmeversorgung des Krankenhauses.
- 1991 wurde der letzte Dampfkessel stillgelegt.
Vor Ort sind heute diese 3 Dampfkesselgenerationen als „Technik zum Anfassen“ zu besichtigen. Jeder Technikinteressierte kann in das Innenleben der Kessel sehen. An Schautafeln werden detailliert die Funktionsweise und technische Parameter der Heizkessel sowie der Transport der Kohle vom Kohlenplatz bis hin zu den Kesseln erläutert. Vitrinen zeigen technische Einzelteile der Kessel und Arbeitsunterlagen der Heizer.
Technik- und Architektursammlung
In dieser Sammlung zeigen wir Gegenstände aus dem Bereich des Krankenhauses. Unter anderem sind zu sehen
- die originale Wetterfahne vom Haus 6 von 1893
- Fenstervergitterungen
- eine Wendeltreppe von 1893
- eine Telefonvermittlungszentrale
- orginale Kronleuchter
In der Mitte und an einer Seite des Raumes ist diese Sammlung von verschiedensten Objekten zu sehen. Die Außenwände stehen für Wechselaustellungen von Künstlern zur Verfügung (Galerie).
Medizinhistorische Ausstellung
In dieser Ausstellung wird die Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Herzberge seit 1893 und des Königin Elisabeth Hospitals seit 1843 (seit 1945 auf dem Gelände von Herzberge) bis 1992 dargestellt. Die zahlreichen Originaldokumente werden in Vitrinen und Bildern erläutert.
Ein Röntgenbildbetrachter aus dem Krankenhaus Herzberge, von Ärzten entworfen, zeigt Röntgenbilder über den Vorgang der Pneumoenzephalographie. Ein nachgebautes Krankenzimmer spiegelt den Zustand vor einigen Jahrzehnten in diesem Krankenhaus mit einer originalen Schwesterntracht wider. Im danebenliegenden Raum werden unter anderem ein Apothekenschrank, ein Sterilisator sowie eine „stumme Schwester“ ausgestellt.
Veranstaltungsräume
Der Kesselraum (ca. 500 m²) mit den drei Kesselgenerationen bietet Technik zum Anfassen. Es können Besichtigungen, Projekttage für Studenten und Schüler durchgeführt werden.
Denkmalpflegerische Dokumentation über die Historie, Kesseltechnik und Gebäude liegen bei Bedarf für wissenschaftliche Arbeiten zur Einsicht vor.
Ein Veranstaltungsraum (ca. 200 m²) im Obergeschoss für ca. 80 bis 100 Personen kann gemietet werden. Er ist unmittelbar mit dem Kesselraum verbunden und kann mit dem Ausstellungsraum im Erdgeschoss ergänzt werden. Hier können Theateraufführungen, Theaterproben, Konzerte, Symposien, Tagungen, Feiern, PR-Veranstaltungen und sonstige Events durchgeführt werden. Nebenräume sowie ein Theaterpausenraum ("Zyklone") mit Kücheneinrichtung und Sitzmöglichkeiten sind vorhanden. Es besteht auch die Möglichkeit eine Cateringfirma zu beauftragen.
Lese- und Arbeitsräume:
vermietbare Büros für Forschungsarbeiten im Bereich des Kesselhauses.
Bibliothek und Altaktenarchiv:
Die Bibliothek und das Altaktenarchiv des Ev. Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge befinden sich ebenfalls in den Räumen des Kesselhauses.
Öffnungszeiten:
- Dienstag: 14:00 - 16:00 Uhr
Donnerstag: 14:00 - 18:00 Uhr
Gruppenanmeldung und Führung nach Voranmeldung
Behindertengerechte Einrichtung
Förderverein Museum Kesselhaus Herzberge e.V.
Vorsitzender:
Joachim Schütz
Tel.: 030 5472-2424
Fax: 030 5472-2426
E-Mail : museum@keh-berlin.de
Web: http://www.museumkesselhaus.de/
Neue Mitglieder sind dem Förderverein jederzeit willkommen!
Spendenkonto:
Bank für Sozialwirtschaft AG
BLZ 100 205 00
Konto-Nr.: 3258200