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Service · Das Boule-Spiel

Foto mehrerer Boule-SpielerUm Boule spielen zu können, bedarf es keinerlei spezifischer Vorerfahrung. Man braucht nur die Kugeln aber keine besondere Kleidung oder Schuhwerk. Jeder hat schon gesehen wie das Spiel von anderen gespielt wurde.

Zum Spielgerät gehören 3 Metallkugeln, eine kleine Zielkugel aus Holz und ein Lappen zum Abwischen der Kugeln und der Hände. Die zusammengehörenden Kugeln sind durch bestimmte Linienmuster, Herstellerzeichen und Seriennummern gekennzeichnet. Gelegentlich kann ein Maßband erforderlich sein um festzustellen, welche Kugel dem Ziel am nächsten liegt.

Rollstuhlfahrer oder Personen, die sich nicht nach den Kugeln bücken können, benutzen einen kleinen Magneten an einer Schnur um die Kugeln hochzuheben. Das Spielgerät (20 Kugelsätze zu je 3 Kugeln nebst Zubehör) wurde dem KEH überwiegend aus gebrauchten Kugeln von der Boule-Gruppe "Schöneberger Kugelköpfe" gespendet, die auch andere soziale Projekte finanziell unterstützt.

Spielen ist menschlich!

Der Mensch ist ein biologisches, soziales und zum Geist befähigtes Wesen, ein homo sapiens, aber auch ein homo ludens: ein spielendes Wesen. Spielen erfüllt bei Kindern und Erwachsenen eine wesentliche Rolle im Erwerb und in der Stabilisierung der psychischen, sozialen und körperlichen Gesundheit. Ein Spiel kann ein Modell für den Alltag darstellen, wenn es bestimmte Merkmale aufweist. Das Spiel ist in den Entwicklungsjahren bei allen höheren Lebewesen von großer Bedeutung. Im Spiel wird das genetisch bestimmte Verhaltensrepertoire durch weitere komplexe Verhaltensweisen ergänzt. Im Spiel werden Verhaltensweisen erworben und eingeübt, die die jeweilige Art in ihrer täglichen Auseinandersetzung mit ihrer sozialen und gegenständlichen Umgebung benötigt. Mit dem Erwachsenwerden nimmt beim Menschen - im Gegensatz zu Tieren - die Neigung zu spielen kaum ab.

"Es gibt viele Krankheiten - aber nur eine Gesundheit" ? und trotzdem scheint es wesentlich schwieriger zu sein, Gesundheit begrifflich zu bestimmen. Im Jahre 2001 hat die WHO die Merkmale von Gesundheit um einen wesentlichen Aspekt erweitert - um die Fähigkeit zur sozialen Partizipation oder zur sozialen Teilhabe (Resolution WHA54.21, "International Classification of Function", ICF). Damit wurde der Begriffsrahmen so erweitert, dass nun die soziale Teilhabe als positives Merkmal für Gesundheit eingeschlossen werden konnte.

Therapeutische Aspekte des Spiels:

Partizipation oder soziale Teilhabe meint in diesem Zusammenhang die Einbeziehung einer Person in eine Lebenssituation, oder ihre Teilhabe an einem Erlebnis (lived experience) - aber auch ihre Teilnahme an einem Spiel. Ein Spiel wird zur Partizipation, wenn in ihm neues Lernen und die Anwendung von Wissen erforderlich ist, wenn in ihm allgemeine Aufgaben und Anforderungen gestellt werden und wenn es Kommunikation, interpersonale Interaktionen, Beziehungen, Bewegung und Selbstfürsorge erfordert. Das Spiel sollte hierzu soziale, kommunikative, motivationale, kognitive, motorische und sensorische Fähigkeiten ansprechen, bzw. die Nutzung dieser Fähigkeiten spielerisch einüben. Besonders geeignet sind hierzu bestimmte Kugel- oder Boule-Spiele, die in kleinen Gruppen im Freien gespielt werden können.

Petanque (Boule) und Behinderung:

Unter dem Begriff der Kugelspiele kann eine ganze Reihe von Spielen subsummiert werden, die alle nach vergleichbaren Regeln gespielt werden. So z.B. Boccia, Bowls und Petanque (Boule); sie unterscheiden sich lediglich in Nuancen. Allen gemeinsam ist, dass auf einer ebenen Spielfläche eine vom Spieler gerollte oder geworfene Kugel einem Ziel angenähert werden muss. Die wenigsten Vorbedingungen hat Boule (Petanque). Es entwickelte sich 1910 aus einem Spiel mit Anlauf, dem "Jeu provical", dessen Regeln modifiziert wurden, um einen gehbehinderten Spieler in das Spiel zu integrieren: man spielte einfach aus dem Stand! Daher ist das Spiel auch für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer geeignet.

Das Boule-Spiel ist in seinem Wesen ein ganz von Kommunikation und Psychologie bestimmtes Spiel. Darüber hinaus hat es gewissermaßen eine eingebaute Psychohygiene: Platziert man eine Kugel gut, so ist es die gute eigene Leistung, legt man sie schlecht so war sicher ein Steinchen daran Schuld. Das Spiel vermittelt Selbsterfahrung, ist geeignet den Selbstwert zu stabilisieren und bereitet in Sieg und Niederlage ein intensives Gemeinschaftserlebnis mit seinem Spielpartner. Insgesamt ist das Spiel sehr belebend und auch in unserem Krankenhaus gibt es zahlreiche Patienten, für die eine Vitalisierung und Aktivierung sowie soziale Partizipation ein wichtiger Faktor ihrer Genesung ist.

Aufgrund der zahlreichen therapeutischen Aspekte kann das Boule-Spiel auch z.B. im Rahmen der Rehabilitation nach Herzerkrankungen eingesetzt werden. Auch die Krankenhausleitung hat sofort die positiven Möglichkeiten dieses Spiels erkannt und signalisierte Unterstützung für das Vorhaben. Die Frage war nur noch wann, wo und mit welchen Mitteln der Platz auf dem Krankenhausgelände zu realisieren war. So entstand die Idee, mindestens einen Teil der Arbeiten im Rahmen des 4. Berliner Freiwilligentag am 18.09.04 zu erstellen. (s. a. Herzblatt 4/04 und 5/04).

Es stellt sich die Frage, ob ein Krankenhaus wirklich einen Boule-Platz benötigt. Eine solche Frage fällt deshalb leicht, weil vermutlich niemand ein anderes Krankenhaus kennt, das einen eigenen Boule Platz hat. Das KEH hat den Mut aufgebracht hier einen anderen Weg zu gehen, sich an den Inhalten zu orientieren und neue Möglichkeiten zu eröffnen.

Weitere Inhalte

Spielregeln Spielablauf